Beschwerdebild · Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie sind viele Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark geschädigt. Meist beginnt sie an den Füßen. Typisch sind Kribbeln, Brennen, Taubheit oder das Gefühl, wie auf Watte zu gehen.
Weil das Gefühl in den Füßen fehlt, wird der Gang unsicherer, und kleine Verletzungen bleiben leicht unbemerkt. Gezielte Übungen machen dich sicherer auf den Beinen. Hier erfährst du, worauf es dabei ankommt.
- Im KursGleichgewicht, Gangsicherheit und Beinkraft, immer mit Haltemöglichkeit
- Nicht dabeiÜben ohne Schuhe und Sprünge
- AnstrengungLeicht bis etwas anstrengend, Sprechen in ganzen Sätzen geht noch
- RahmenMindestens 45 Minuten, höchstens 15 Personen, mit Übungsleitung
Was ist das, woher kommt es?
Die Nerven an Armen und Beinen leiten Gefühl und Bewegungsbefehle, manche steuern auch Herzschlag und Blutdruck mit. Bei einer Polyneuropathie sind sie an vielen Stellen gestört. Am häufigsten sind die längsten Nerven zuerst betroffen, deshalb beginnen die Beschwerden meist an den Füßen und steigen langsam auf, wie bei einer Socke oder einem Strumpf.
Mögliche Ursachen
Zu den bekannten Ursachen gehören Diabetes und Alkohol. Es gibt aber viele weitere, etwa bestimmte Medikamente, Vitaminmangel oder Entzündungen. Die Ursache klärt die ärztliche Untersuchung, oft in einer neurologischen Praxis. Mehr zu Diabetes
Typische Beschwerden
- Kribbeln, Ameisenlaufen, Brennen
- Taubheit, Gefühl wie auf Watte
- Unsicherer Gang, besonders im Dunkeln
- Wärme und Kälte werden schlechter gespürt
- Wunden, die nicht weh tun
Was Bewegung bewirkt
Wenn das Gefühl in den Füßen nachlässt, müssen Augen, Gleichgewichtsorgan und Muskeln mehr leisten. Genau das lässt sich üben. Gleichgewichtstraining und Kraft für die Beine machen den Gang sicherer und können Stürzen vorbeugen.
- Laut Deutscher Diabetes Gesellschaft können spezielle Gymnastikübungen bei diabetischer Polyneuropathie die Beschwerden lindern und das Abrollen des Fußes verbessern.
- Kräftige Waden und Oberschenkel helfen beim sicheren Aufstehen und Gehen.
- Regelmäßiges Gehen in gut sitzenden Schuhen hält dich beweglich.
Deine Augen ersetzen ein Stück weit das fehlende Gefühl in den Füßen. Übungen mit geschlossenen Augen machst du deshalb nur mit festem Halt.
Was im Rehasport passiert
Eine Stunde dauert mindestens 45 Minuten. Gleichgewicht und Koordination kommen früh in der Stunde, solange du noch frisch bist. Eine Wand, eine Stange oder ein Stuhl zum Festhalten ist immer in Reichweite. Gesteigert wird in kleinen Schritten. Mehr zu Gleichgewicht und Sturz
Danach folgen Kraftübungen für die Beine, etwa das Aufstehen vom Stuhl oder der Zehenstand mit Halt, und Fußgymnastik. Du übst in festen Schuhen, nicht barfuß. Sprünge gibt es nicht.
Schau dir vor und nach der Stunde deine Füße an oder lass sie dir ansehen. Hast du eine offene Stelle, sag es der Übungsleitung. Dann wird der Fuß nicht belastet.
Gut zu wissen im Alltag
- Füße täglich ansehen: Schau nach Druckstellen, Blasen, Rissen oder Rötungen, bei Bedarf mit einem Spiegel oder mit Hilfe.
- Passende Schuhe: Ungeeignete Schuhe sind ein häufiger Auslöser für Wunden. Lass dich bei Diabetes zur passenden Schuhversorgung beraten.
- Wärme prüfen: Prüf Badewasser mit der Hand oder einem Thermometer, weil die Füße Hitze schlechter spüren.
- Licht und freie Wege: Im Dunkeln ist der Gang besonders unsicher. Ein Nachtlicht und Wege ohne Stolperfallen helfen.
Wann ärztlich abklären?
Bitte zeitnah ärztlich zeigen: eine offene Stelle, Blase oder Rötung am Fuß, auch wenn sie nicht weh tut. Bis dahin wird der Fuß nicht belastet. Ist ein Fuß plötzlich gerötet, geschwollen und warm, bitte noch am selben Tag. Das kann bei Diabetes auf eine ernste Knochen- und Gelenkerkrankung des Fußes hinweisen.
Sofort Hilfe holen: wenn Schwäche oder Taubheit innerhalb weniger Tage rasch zunehmen. Kommen Atemnot oder Schluckprobleme dazu, ruf den Notruf 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117.
Bist du gestürzt oder wird dir oft schwindelig, sprich das in der Praxis an.
Diese Fragen helfen dir im Kurs und in der Praxis
- Was ist die Ursache meiner Polyneuropathie, und lässt sie sich behandeln?
- Welche Gleichgewichtsübungen sind für mich sicher?
- Welche Schuhe passen zu meinen Füßen?
- Wie oft sollen meine Füße ärztlich kontrolliert werden?
- Welche Übung kann ich zu Hause mit Halt machen?
Zum Mitmachen
Übungen aus dem Rehasport für zu Hause, mit Bild und Anleitung. Nur Übungen machen, die in der Gruppe schon gelernt wurden.
Quellen und weiterführende Informationen
In eigenen Worten zusammengefasst. Die Seite ersetzt keine ärztliche Untersuchung und keine individuelle Beratung.
- S1-Leitlinie Diagnostik bei Polyneuropathien, DGN (AWMF 030-067)
- DDG-Praxisempfehlung Diabetisches Fußsyndrom 2025
- DDG-Praxisempfehlung Diabetes, Sport und Bewegung 2025
- BAR: Rehabilitationssport und Funktionstraining
Stand: Oktober 2026, abgeglichen mit dem Regelwerk 2026.6.
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Allgemeine Informationen, ersetzen keine ärztliche Beratung. Wir sind Trainerinnen und Trainer, keine Ärztinnen und Ärzte: Untersuchung, Diagnose und Behandlung gehören in ärztliche Hände.

